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Katholische Kirche & Gemeinde in Wiesenberg (Galizien)
Katholische Kirche & Gemeinde in Wiesenberg (Galizien)

Die Katholischen Gemeinde & Kirche St. Michael in Ostrau

Geschichtlicher Abriss

Ursprünge in Galizien

Im Jahre 1774, zwei Jahre nach der ersten Teilung Polens, von der österreichischen Kaiserin Maria Theresia und später von ihrem Sohn, Kaiser Joseph II., gerufen, kamen die ersten deutschen Siedler (Kolonisten) nach Galizien. Politische und kulturelle Metropole war Lemberg (Lwiw). In der Stadt ist noch heute der österreichische Einfluss sichtbar.

Bis zum Ersten Weltkrieg verlief das Leben der Deutschen im damaligen österreichischen Kronland Galizien weitgehend in normalen Bahnen. Im Ersten Weltkrieg wurde das Land, wiederholt von russischen Truppen besetzt. Nach Kriegsende kam das Gebiet unter polnische Oberhoheit. Als am 01.09.1939 Deutschland Polen überfiel und dadurch den Zweiten Weltkrieg auslöste, veränderte sich das bisherige Leben der Deutschen in ihren Orten (z. B. Bruckenthal, Dornfeld, Josefsberg, Königsau, Ottenhausen, Münchenthal, Wiesenberg) radikal. (Der Ort Wiesenberg trägt auch heute noch seinen deutschen Namen in kyrillischen Buchstaben: ВІЗЕНБЕРҐ).

Im Ergebnis des Hitler-Stalin-Paktes und des deutsch-sowjetischen Grenz- und Freundschaftsvertrages, erfolgte bis Ende 1939 / Anfang 1940, eine Großumsiedlung der Deutschen aus diesem Gebiet. Nicht alle wollten ihre angestammte Heimat verlassen und gingen einer ungewissen Zukunft entgegen, denn dieses Territorium wurde laut Vertrag von sowjetischen Truppen besetzt. Frauen und Kinder wurden mit der Bahn nach Deutschland oder in den Warthegau (Gebiet um Łódź und Kalisz) gebracht. Die Männer folgten ihren Familien mit Pferdegespannen bei eisigen Temperaturen und schweren Schneestürmen. Die im Warthegau angesiedelten Deutschen wurden auf ehemalige polnische Höfe in verschiedene Ortschaften verteilt, die kurz zuvor von den polnischen Bewohnern verlassen werden mussten. Als im Rahmen der sowjetischen Winteroffensive im Januar 1945 die Front näher rückte, mussten die Menschen erneut flüchten. Ihre Zielorte lagen im Ungewissen; sie siedelten schließlich überwiegend in Mittel- und Norddeutschland.

Anfänge in Ostrau

Die Kath. Flüchtlingsfamilien wurden u. a. in Ostrau, Mösthinsdorf, Kösseln, Plötz, Kütten, Drobitz, Drehlitz, Stumsdorf, Schrenz, Rieda und Zörbig aufgenommen. Da es in diesen Orten keine Kath. Kirche gab, mussten sich die Gläubigen sonntags, meist zu Fuß nach Zörbig oder Görzig aufmachen um an der dortigen Messe teilzunehmen. Erst die Möglichkeit den Gottesdienst in der Evang. Schlosskirche Ostrau zu feiern, brachte für die Menschen eine gewisse Erleichterung. Damit wurde Ostrau zum neuen Zentrum der Kath. Christen.

Später erwarb hier die Kath. Gemeinde ein Grundstück (Bauernhaus mit Scheune). Zusammen mit Pfarrer Heinz Jannsen errichtete man eine Notkapelle zur Feier der Heiligen Messe, doch der Wunsch zum Bau einer eigenen Kirche wuchs stetig.

Der Kirchbau

Der Kirchbau wurde durch Pfarrer Willi Kraning Mitte der 1960er Jahre vorbereitet und schließlich verwirklicht. Unter den damaligen politischen Gegebenheiten war dieses Vorhaben ein heikles Unterfangen: Der Neubau einer Kath. Kirche lag keineswegs im Interesse der damaligen SED-Kreisleitung sowie der kommunalen Instanzen. Genehmigungen waren abgelehnt worden bzw. nicht zu erwarten gewesen. So musste der Kirchbau geheim realisiert werden.

Bau der St.-Michaelskirche Ostrau, 1966
Bau der St.-Michaelskirche Ostrau, 1966

Hierzu Auszüge aus einem Gespräch zwischen Pfr. Willi Kraning und Herrn Reinhard Luge vom 04. Februar 2010:

Pfr. Kraning: „Da das Grundstück nicht im Grundbuch eingetragen war, bestand die Gefahr, dass durch den Kirchenbau der ganze Grundstückskauf rückgängig gemacht werden könnte. Trotz dieses Drucks, setzte ich mich mit Kurt Rode, Adam Gottfried, Johann Bommersbach, Josef und Johann Kotschote, Josef Schappert, Robert Rostek und Josef Bennroth, Anton Jaschke, Willi Czaja, Herbert Purr, Georg Pawlik und Franz Kiel zusammen. Die Frage lautete: ‚Wie können wir dem Kirchenbau näher kommen?‘ Und unser Beschluss war, die Scheunenruine zu sichern und alles so herzurichten, dass wir ein Dach aufsetzen können.

Als erstes wurden die Fensterlaibungen geputzt und mit neuen Stürzen versehen. Um die Stabilität der Wände zu gewährleisten wurde ein Ringanker eingezogen. Dieser Ringanker enthielt die Eisen zur Aufnahme der Dachbinder. Wir putzten die Wände innen und außen. Anschließend wurde der Betonfußboden fertig gestellt. Das Einsetzen der Fenster und der Aufbau des Altares wurde von Herrn Kurt Rode realisiert. Der Altarfuß bestand aus Feldsteinen aus der Umgebung, die von Kindern und Jugendlichen gesammelt wurden. Die Altarplatte haben Kurt Rode und Sepp Kotschote gegossen. Diese Arbeiten wurden ohne Dach durchgeführt. Der Kirchgemeinde wurde nun mitgeteilt, dass der Bau ein Dach erhalten soll, um die bisherigen Arbeiten vor dem Verfall zu schützen und um zu Fronleichnam einen windgeschützten Ort für die Messe zu haben.

Die Baumaterialien für das Dach konnten allein aufgrund des Organisationstalents beteiligter Gemeindemitglieder beschafft werden. Da an Holzträger nirgendwo heranzukommen war, bestellte ich über Genex das Holz. Nachdem das Holz mit ‚Westgeld‘ bezahlt wurde, konnte es schließlich vom Holzkontor Halle abgeholt werden.

Balken und Bretter wurden zum Zimmereibetrieb Behrens nach Görzig gefahren. Herr Behrens war mit seinem ganzen Betrieb ein ‚verschworener‘ Mitstreiter. Er fertigte die notwendigen Dachbinder an und schnitt die zur Abdeckung notwendigen Bretter auf die richtige Länge. Alles zusammen versteckten wir in einer Feldscheune unter Stroh in der Nähe von Werderthau. Jetzt brauchten wir Mut und Geschick. Um dem Kirchraum das Dach aufzusetzen, schlugen die Ostrauer Männer als Termin ein Wochenende vor, an welchem eine große Wahl stattfinden sollte. Es war zu erwarten, dass die für Bausachen Verantwortlichen dann mit der Wahl beschäftigt wären und am folgenden Montag und Dienstag den Wahlsieg feiern würden. Damit ein Baustopp, den wir so zwar umgehen wollten aber trotzdem befürchteten, im Zweifelsfall nicht das gesamte Vorhaben zunichte machen würde, sollte das Dach wenigstens in den ersten zwölf Stunden des ersten Bautages soweit hergestellt sein, dass es regendicht ist.“

Bau der St.-Michaelskirche Ostrau, 1966
Bau der St.-Michaelskirche Ostrau, 1966

Chronologie des Dachaufbaus 1965 (bzw. 1966) nach dem Bericht Pfr. Kranings:

Donnerstags, nach Eintritt der Dunkelheit: Anfahrt der Dachbinder und Bretter aus dem Versteck und Einlagerung auf dem Pfarrhof; Bohrung der Ringbalken und Verschraubung mit Steinschrauben.

Freitags, 05:00 Uhr: Der erste Dachbinder wird aufgesetzt. 13:00 Uhr: Alle Dachbinder stehen; Beginn der Verschalung des Daches. Am Abend: Die erste Dachpappenlage ist aufgebracht und damit das Dach regendicht.

„Es waren 16 Männer, darunter 9 Zimmerleute, an diesem schnellen Dachaufbau beteiligt; 4 stammten aus Zeitz (erste Vikarstelle von Pfr. Kraning) und 5 vom Zimmereibetrieb Behrens. Diese hatten eine Woche Betriebsferien gemacht und wirkten nun als Privatleute mit, um den Zimmereibetrieb vor eventuellen Drangsalierungen stattlicher Stellen zu schützen.“

Samstags, am Vormittag: Boten fahren in alle Dörfer der Kuratie, sagen alle Gottesdienste des folgenden Sonntags ab und laden zum Festgottesdienst in der Neuen Ostrauer Kirche ein. 17:00: Das große Fenster (ehemaliges Scheunentor) wird eingesetzt.

„Die Abendmahlbatik, ein Geschenk der Heiligkreuzgemeinde Halle, wurde hinter dem Altar angebracht. Der Tabernakel aus der Notkapelle wird im neuen Kirchenraum aufgestellt sowie eine Mutter-Gottes-Statue. In 36 Stunden hatten wir einen fast vollständigen Kirchenraum hergestellt. Am ersten Gottesdienst nahmen über 15 Priester, die freudig bewegten Ostrauer Gläubigen und die der umliegenden Dörfer teil. Es erfolgte eine Prozession aus der Notkirche in die neue Kirche mit den letzten Kultgegenständen (Leuchter, Altartücher, Lektionar und Messkelch).

Wir sind nach einem Generalstabsplan vorgegangen, der nicht in schriftlicher Form vorlag.“

 

(Zusammengestellt von Reinhard Luge, 2010/2011.)



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