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Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher (1768-1834)

Eine Erwähnung ist es wert, dass sich Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher, einer der bedeutendsten protestantischen Theologen, eine Nacht lang in Ostrau aufgehalten hat. Seit Beginn des Herbstsemesters 1804 war Schleiermacher als Universitätsprediger und außerordentlicher Professor für Theologie und Philosophie in Halle.

Henrik Steffens schildert im 5. Band seines Werkes "Was ich erlebte" (Halle 1804-1806):

"... Schleimacher war zugleich als Universitätsprediger berufen. Eine alte Kirche war als Universitätskirche eingerichtet, und als die verwitwete Königin starb, sollte Schleiermacher eine Gedächtnisrede halten. Es war im Märzmonat, ein schöner Frühlingstag lockte uns beide, von Bartholin begleitet, an dem Tage vor der angesetzten Feierlichkeit nach dem Petersberge. Die Nacht brachten wir in der Schenke des Veltheimischen Dorfes Ostrow zu. Diese Nacht ist mir auf immer unvergesslich. Wir schlossen uns nie inniger, nie tiefer für einander auf. Mir erschien Schleiermacher nie geistig größer, nie sittlich reiner. Die Gegenwart des liebenswürdigen, von uns beiden geliebten jungen Mannes, konnte uns nicht stören. Noch immer erscheint mir diese Nacht wie eine der merkwürdigsten meines Lebens, wie geheiligt. Im Hintergrunde lag der fröhlich genossene Tag, die weite, fruchtbare Gegend mit ihren Dörfern von dem ersten Frühlingshauche belebt. Wie eine feierliche Tempelhalle umgab uns die unendliche Natur, trug, durchdrang, beflügelte einen jeden Gedanken, und der keimende Frühling erwärmte, wie die Natur, so den Geist. Ich habe ein Zeugnis von dem Eindruck, den diese Nacht auf ihn gemacht hat in einem Briefe an seine teure Freundin, die Hofrätin Herz. Es war der Wiederglanz seiner eigenen Reinheit, durch die ich in dieser wahrhaft heiligen Stunde verklärt erschien. Die tiefe Religiosität seiner Sittlichkeit trat mir nie näher. Der Erlöser war in unsere Mitte getreten, wie er es versprochen hatte, dass er da sein würde, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. Damals ward es mir klar, dass ein Positives des Christentums, wenn es auch namenlos blieb, ihn dennoch von seiner frühesten Kindheit in der Brüdergemeinde an, durchdrang, und dass, was er theologisch wissenschaftlich Gefühl nannte, zum christlichen Bewusstsein gesteigert, das Ewige, Positive der göttlichen Liebe sei; und das Missverständnis eines berühmten Philosophen war mir unbegreiflich, ja verletzte mich. Dieses Gefühl war wie Liebe, so Glaube, wie Gesinnung, so Sinn, der Letzte als der Träger und Pfleger der Ersteren.

Es war über Mitternacht, und den folgenden Vormittag um 9 oder 10 Uhr sollte Schleiermacher die Kanzel besteigen. Der Gegenstand der Gedächtnisrede musste mit vieler Zartheit behandelt werden. Nach wenigen Stunden Schlaf erwachten wir, und hatten noch anderthalb Meilen wandernd zurückzulegen. Es hatte die Nacht gefroren. Die früheren, wärmeren Tage hatten den Schnee geschmolzen und den Weg ungleich gemacht. Schleiermacher, ein rüstiger Fußgänger, eilte voran auf dem holprigen Wege über die scholligen Felder. Kaum vermochten wir ihm zu folgen. Wir merkten, wie er trotz des schnellen Gehens in tiefes Nachdenken versunken war, und wir störten ihn nicht. Als ich nach Hause kam konnte ich mich nur eben umziehen, um zur rechten Zeit in die Kirche zu kommen. Als ich unter meinen Herren Kollegen erschien, entstand eine allgemeine Bewegung. „Ei,“ riefen sie, „da Sie hier erscheinen, können wir nun endlich doch auch hoffen, den Herrn Schleiermacher zu sehen.“ Seine Fußreise kurz vor der Rede lief als ein Gerücht in der ganzen Stadt herum, selbst dass wir die Nacht in einer Schenke zugebracht hatten, wusste man. Früh Morgens hatte man nach seiner Wohnung geschickt, und als er kaum eine Stunde vor dem Anfange der gottesdienstlichen Feierlichkeit, als die Glocken aller Kirchen läuteten, noch nicht zurückgekommen war, schien man zu erwarten, ja einige wohl sogar zu hoffen, dass er gar nicht kommen würde. Ich schwieg, und ließ die Herren reden.

Schleiermacher bestieg die Kanzel. Ein Jeder, der ihn gehört hat, weiß, wie sehr seine Persönlichkeit durch besonnenen Ernst von der Kanzel herab imponierte. Seine Rede zeigte die kunstreiche Anordnung aller Teile, die ihn als Redner so sehr auszeichnete. Der Inhalt war klar, der Gegenstand würdig behandelt. Bei äußerer Ruhe, ja scheinbarer Kälte des Vortrages machte er dennoch einen tiefen Eindruck und ein Jeder musste die Kirche mit der Überzeugung von der Nichtigkeit aller irdischen Verhältnisse, auch der größten, seiner göttlichen Bestimmung gegenüber, verlassen. Alle meine Herren Kollegen mussten die Gedächtnisrede rühmen, ja bewundern. Die Ansicht, als hätte derjenige, der eine solchen wohldurchdachten, kunstreich geordneten, klaren und in sich sicheren Vortrag frei gehalten, die kurz vorhergehenden Stunden leichtsinnig und in zerstreuender Belustigung zugebracht, musste einem Jeden ungereimt erscheinen. Ich glaube nicht, dass das Gerücht irgend einen bleibenden Eindruck gemacht hat."



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