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Schloss Ostrau

Schloßstraße

Geht man in Ostrau die Schloßstraße entlang auf das Schloss zu, liegt zur Linken das sogenannte Schlösschen, ein einst von den Veltheims errichtetes barockes Wohnhaus. Und auf der rechten Straßenseite das durch H.H.v.V. 1937 umfassend umgebaute ehemalige Rentamtsgebäude. Über den Eingängen aller seiner Häuser hatte H.H.v.V. das Datum des Umbaus oder der Restaurierung angeben lassen. 1945 wurden diese Inschriften auf Veranlassung des damaligen Bürgermeisters ausgemeißelt.

Von der Schloßstraße aus kommt man über die 1999 wieder instandgesetzte Dreibogenbrücke. Die beiden Brückenpfeiler sind auf Pfahlbauten errichtet. Darauf befindet sich das Steinfundament. Der unterste Sandstein trägt folgende gemeißelte Inschrift:

W .v. V. 29. Mey 1828

Diese Inschrift muss nicht notwendiger Weise bedeuten, dass die Brücke erst 1828 erbaut wurde – und schon gar nicht von Werner v. V., da dieser zu der Zeit Schloss Ostrau noch nicht übernommen und gerade erst sein 11. Lebensjahr erreicht hatte. Vielmehr war 1828 der Oberberghauptmann Franz Wilhelm Werner v. V. für Ostrau zuständig und dieser könnte die Brücke evtl. schon einmal erneuert haben.

Dass eine Brücke längst vorher vorhanden gewesen sein muss, findet ja Bestätigung dadurch, da am 3. September 1689 Anne Marie Braunin aus Ostrau als sogenannte Hexe auf der Brücke verbrannt wurde (die letzte Hexenverbrennung in Deutschland war erst 1775!).

Am Ende der Brücke steht rechts ein kleines, schmales Gebäude, das an seinen drei Seiten ein Wappen und zwei Inschriften aufweist. Auf dem Wappen stehen unter der Jahreszahl 1872 die Namen Ludolph Veltheim und Clara Grah. Auffallend daran ist, dass Ludolph v. V., Hans-Hassos Großvater, als Erster der Familie eine sogen. Bürgerliche zur Frau nahm und sich hier mit ihr gleichstellte, in dem er das „von“ ausließ. An der Mittelfront findet sich der, heute kaum noch lesbare, aus Harbke stammende Spruch :

Neu schuf ich hier Altes,

Doch auch das Neue wird alt

Und vergeht, wie das Alte verging.

Nachfolger sorget nun ihr,

Daß nicht zu früh es geschieht.

Hier hat H.H.v.V. eine kleine Änderung im Text vorgenommen. Das im Original enthaltene Wort „Nachkommen“ wurde bewusst durch „Nachfolger“ ersetzt.

Das neue Schloss

Bauherr war Otto Ludwig v. V. (1672–1714), ein hochgebildeter, weitgereister und vermögender Mann, dem mehrere Veltheimische Güter gehörten. Zuerst ließ er 1698 / 99 an Stelle der alten kleineren Pfarrkirche St. Georg eine neue, größere Kirche im barocken Stil errichten und darin ein neues Erbbegräbnisgewölbe anlegen. Mit dem Bau des Barockschlosses wurde laut Inschrift am Nordflügel erst 1713 begonnen. Baumeister des Schlosses war der in Frankreich geborene Louis Rémy de la Fosse (damals Hofarchitekt in Hannover). O. L .v. V. starb ca. 1 Jahr nach Vollendung des Schlosses. Sein Wahlspruch : „Der Herr ist meine starke Zuversicht“ (Ps. 71, 7) ließ er in der Kirche zu beiden Seiten des Altares und am Nordportal des Schlosses anbringen. Heute ist er noch über dem Eingang am Nordflügel des Schlosses als Chronogramm (in diesem Spruch ist das Baujahr 1713 in römischen Ziffern enthalten) zu lesen:

Der Herr Ist MeIne starCke ZVVersICht

1 x M  = 1000

1 x D  =   500

2 x C  =   200

2 x V  =     10

3 x 1  =       3

          = 1713

Als Erinnerung an das Erbauerehepaar befinden sich die großen Wappen von Veltheim und von Bartensleben (die Frau von Otto Ludwig v. V. war Armgard Amalie geb. von Bartensleben) am Giebel über dem Mittelhaus.

Zustand 1725 - nach Originalplänen rekonstruiert

Diese Darstellung, die der heutigen Anlage sehr ähnlich sieht, wurde nicht nach dem Original gezeichnet. Der Zeichner Anco Wigboldus hatte im Auftrag von Hans-Hasso v. V. eine Rekonstruktion nach alten Plänen angefertigt.

Das alte Wasserschloss (urspr. links vom Eingangstor)

Über dem ehemaligen Eingangstor zum Schloss befand sich eine Inschrift, auf Grund derer anzunehmen ist, dass  Achatz v. V. (1538 – 1588) das alte Wasserschloss 1588 erbauen ließ. Laut einer mit dem Doppelwappen Veltheim / Saldern versehenen Inschrift über einer Tür am alten Wasserschloss wurde das Gebäude von seiner Witwe 1592 vollendet (später wurde das einstige Schloss zum Wirtschaftsgebäude umfunktioniert):

Inschrift am alten Wasserschloss

Nach Christi geburdt 1592 hat

Margreta vo Salder Achatz vo Veltem

gelasne Witwe dies gebeude Fertig lass.

Plan-Idee um 1600

Diese Idee wurde nicht umgesetzt. Wie auf der Inschrift am alten Wasserschloss (s.o.) angegeben, hatte ja Margarete von Saldern nach dem Tode ihres Mannes das Gebäude um 1600 gerade erst vollendet.

Zeichnung von 1832

(die Angabe um 1800 / vor 1830 ist nicht korrekt)

Auf der Zeichnung ist deutlich der Turm der Schlosskapelle über dem altem Wasserschloss und die Steinplatte mit dem Kopf eines Heiligen, nach dem die Kapelle geweiht worden war, zu erkennen (wer genau dieser Heilige war ist nicht mehr festzustellen).

1976 brannte das alte Wasserschloss aus. Nutzer war zu der Zeit die LPG (Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft) "Thomas Müntzer" Ostrau. Die restlichen Mauern, einschließlich des  erhalten gebliebenen Eingangstores, wurden gesprengt. Nachdem man dann auch noch die Dreibogenbrücke teilweise demontiert und beiderseitig aufschüttete hatte, war das Ensemble unwiederbringlich zerstört. 

Südflügel

Hans-Hassos Großvater Ludolf baute den zu Otto Ludwigs Zeiten unvollendet gebliebenen Südflügel aus. Der sich durch zwei Stockwerke hindurch erstreckende, so genannte ‚wüste Saal’ war in Ludolfs Bauvorhaben allerdings nicht einbezogen. Dieses Unternehmen blieb Hans-Hasso vorbehalten, als er am 20.02.1933 mit dem Ausbau des Südflügels zur Bibliothek und Archiv begann.

Ludolf setzte nach dem eigenen weiterführenden Ausbau, in der gleichen Manier wie Otto Ludwig und ebenfalls nach Psalm 71, ein Chronogramm über den Eingang am Südflügel:

„herr iCh traVe auf DICh Lass Mich nICht zV Schanden Werden“

(Herr, ich traue auf dich, lass mich nicht zu Schanden werden. – Psalm 71,1)

1 x M  =  1000

1 x D  =    500

3 x C  =    300

1 x L  =      50

4 x V  =      20

2 x 1  =        2  

          =  1872

Das graue Haus (Westhalle)

In der Mitte dieser Empfangshalle stand ein Tisch, wo  sich die Besucher in das dort liegende Gästebuch eintragen konnten (Veltheims Gästebücher sind von besonderem Wert. Sie enthalten Eintragungen vieler bedeutender Persönlichkeiten in mehr als 40 Sprachen).  An der Wand zum Gartensaal befanden sich, an gleicher Stelle wie auf der anderen Seite im Saal, links und rechts Kamine. Die Wände waren mit Geweihen geschmückt und mit einigen Glasschränken versehen. Diese Schränke waren gefüllt mit ausgestopften einheimischen Vögeln (um 1900 die größte private Sammlung präparierter Vögel).

Auffahrt und Terrasse am Nordflügel

Wenn Gäste in Ostrau eintrafen, konnten sie mit der Kutsche die Auffahrt hinauf fahren und dann über die Terrasse in die Nordhalle gelangen. Sie war so ausgestattet, dass man von hier aus auch zur Jagd ausfahren konnte.

Nordhalle

Hier waren zwischen der dunklen Holztäfelung die Schränke für die Jagdgewehre eingebaut. Auf den Fliesen lag ein großer heller Teppich, der mit Schwarten von Wildschweinen und Decken von Rot – und Dammwild belegt war. Am Kamin befanden sich ein Keilerkopf und die Wappen v. Veltheim und v.Lehndorf. Als H.H.v.V. 1927 das Schloss übernommen hatte, soll er gleich in der 1. Nacht seines Aufenthaltes im Schloss das Wappen der verhassten Stiefmutter (Gräfin Lehndorf) eigenhändig ausgemeißelt haben (nach dem Kunsthistoriker Dr. Udo von Alvensleben  in „Besuche vor dem Untergang“). An dem großen Fenster links vom Eingangsbereich gab es ursprünglich eine Sitzecke mit einem viereckigen Sofa aus Samt, die leider für eine Lehrerwohnung abgetrennt wurde. Der Raum hat dadurch sein ursprüngliches Flair verloren.

Der Gartensaal mit Kamin und Jagdszenen von Ridinger

Geht man geradeaus durch das graue Haus, kommt man in den Gartensaal. Er wird so genannt, weil man durch die gegenüberliegende Tür und von da aus über halbrunde Sandsteinstufen in den Vorgarten gelangt. Der Saal hatte zwei sehr schöne, in Sandstein gefasste Kamine. Neben den Kaminen waren jeweils zwei kleine Messingtellerchen in die Wand eingelassen. Man konnte sie öffnen und in wenigen Minuten war z. B. der Zigarrenrauch verschwunden. Das Wertvollste im Gartensaal waren, ringsherum an den Wänden, die prachtvoll umrahmten Tapeten mit Jagdszenen in grünlichen Schattierungen. Der Kupferstecher, Radierer und Maler Joh. Elias Ridinger (1698 – 1767) hatte die Bilder vor Ort im Gartensaal geschaffen. An der Südwand rechts, in der Nähe der Tür zum Goldkabinett, stand der Blütnerflügel.   

Das Goldkabinett

Der Raum wurde so genannt, weil er mit einer Vielzahl goldener Konsolen zwischen Blumen und Blätterranken ausgeschmückt ist, auf denen früher Meißner Figuren, geschliffene Gläser, originelle Vasen oder ein Andenken von einer Reise standen. Außerdem gibt es darin sehr schöne Stuckarabesken, einen eingelassenen Spiegel zwischen den Fenstern und einen Steinfußboden.

Das Speisezimmer

Vom grauen Haus aus nach links kommt man durch ein kleines Treppenhaus in das Speisezimmer. Die Wände sind alle getäfelt. Zwischen den 3 Fenstern befinden sich 2 große Spiegel mit Marmorplatten, auf denen ursprünglich silberne Leuchter standen. In der Mitte war früher der ausziehbare Esstisch aufgestellt, über dem eine Lampe aus hellem Metall hing, an der  ringsherum die Lindenblätter des Veltheimischen Wappens zu erkennen  waren.

Das große Treppenhaus

Das Treppenhaus hat hier besonders breite Stufen aus dunklem Holz und ein Geländer aus geschnitzten Pfeilern. Von H.H.v.V. wurde dieser Bereich besonders wertvoll ausgestattet. In der Mitte des Treppenaufganges, auf dem Geländerpfeiler, war das Schnitzwerk eines sehr schönen Leuchterengels aufgesetzt. Oberhalb des ersten Treppenabsatzes stand die Figur des St. Michael, ein 120 cm hohes Schnitzwerk, Niederrheinisch, um 1400. Am 02.10.1937 brachte Veltheim die beiden in Berlin erworbenen Wandteppiche aus dem 17. Jahrhundert – „Merkur mit Reiter auf bockendem Pferd“ + „Joseph mit seinen Brüdern“ – im Treppenhaus an.

Am 28.10.1937 wurde der, ebenfalls in Berlin erworbene, große Sandstein – Buddha – Kopf  vom Steinmetz – und Steinbildhauer Scholz, Zörbig, im Treppenhaus auf eine Säule gesetzt.

Zu der einzig noch verbliebenen Ausstattung im Treppenhaus gehört der große, von der Decke  hängende und herablassbare Kronleuchter.

Die neue Bibliothek

H.H.v.V. hatte sie bis 1933 in den innen nicht vollendeten Süd-Ost-Flügel einbauen lassen. Über den beiden Türen, durch die man in den unteren Bereich der einstigen Bibliothek gelangt, kann man noch heute lesen :

Über der Tür links vom Kamin:

An dieser Stelle war

1713 – 1839

die Schloss-Bier-Brauerei

1839 – 1933

ein Lagerraum

Über der Tür rechts vom Kamin:

1933

baute in diesen Raum

Hans-Hasso von Veltheim

Bibliothek und Archiv

des Schlosses Ostrau

Altes Bibliotheksgewölbe im Südflügel

Vor dem Ausbau des Südflügels zu einem gänzlich neuen Bibliotheksraum hatte das Schloss an anderer Stelle schon von jeher eine alte und eine neue Bibliothek. In die alte gelangte man durch das Goldkabinett in Richtung Süden. Von hier führte eine Tapetentür in die neue Bibliothek, die sich gleich hinter dem Südportal des Schlosses befand und ein gewölbter Raum war.

In der von H.H.v.V. neu gestalteten Bibliothek war ursprünglich über dem aus Lüttich stammenden Kamin ein großes Gemälde von Baron Franz von Koppay aus dem Jahre 1887 eingesetzt. Auf dem Bild war Veltheims Mutter, Clara v. V., geb. Herbertz, spätere Frau v. Leipzig, mit Hans-Hasso v. V. als Kind auf dem Arm dargestellt. Das Gemälde hatte also nicht H.H.v.V. in Auftrag gegeben, sondern seine Mutter!

Oberhalb des Gemäldes, im Galeriegeländer, ist zur Rechten und zur Linken noch das Motto der Bibliothek vorhanden:

Animus Imperat – Der Geist ist Herrscher (oder der Geist herrscht)

Adsum Amicis – Für Freunde bin ich da (für Freunde des Geistes!)

Der Steinfußboden aus halbgeschliffenen Solnhofer Platten (Lithographie-Stein) wurde am 21. April 1933 fertiggestellt. Auf Grund der Angaben in Veltheims Tagebuch vom 18. März 1933 konnten die Originalplatten zur Neuverlegung nachbestellt werden.

Nach den Vorstellungen Veltheims sollte die Bibliothek  vom Jahre 1933 nicht nur einer privaten, sondern auch der wissenschaftlichen Nutzung zugänglich sein. Wie er selbst schrieb, standen dazu 20000 Bände zur Verfügung.

In den Aktenregalen des Obergeschosses (Galerie) waren u. a. das Archiv des Schlosses Groß Weißandt, die alten Akten zu Ostrau und Unterlagen zu den Gütern, die zur Herrschaft gehörten, untergebracht.

(Zusammengestellt von Pfr. i.R. Dieter Pretzsch, 2000)



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