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Schlosskirche Ostrau

Patronatskirche Ostrau

Die Ostrauer Patronatskirche (Schlosskirche) befindet sich auf einer leichten Anhöhe süd-westlich der Schlossinsel in ziemlicher Distanz zu dieser. Der Guts- und Patronatsherr von Ostrau, Otto Ludwig von Veltheim (1668-1714), lies sie 1698 bis 1704 errichten, mit einer prächtigen Patronatsloge ausstatten und das Erbbegräbnisgewölbe seiner Familie unter der Kirche erweitern. 

Der imposante Turm der Patronatskirche mit seiner barocker Dachhaube ist schon von weitem sichtbar. Doch dem interessierten Betrachter enthüllen sich erst im Inneren der Kirche beeindruckende Details: Die lutjerische Dorfkirche ist stimmungsvoll mit filigranen barocken Schnitzwerken ausgestattet. Eingefügte Gemälde und Skulpturen zeigen biblische Szenen. Eine umfassende Änderung erfuhr die Ausstattung im 19. Jh.

Eine Besonderheit stellt die Grabkapelle dar, die 1933 von Hans-Hasso von Veltheim (1885-1956), dem bis heute letzten Schlossherrn auf Ostrau, im anthroposophischen Stil in der Patronatsloge eingerichtet wurde.

Schlosskirche Ostrau

Geschichtlicher Abriss

Die erste urkundliche Erwähnung Ostraus mit seiner Kapelle erfolgte im Jahre 1127 in der Chronica montis sereni (Chronik des Lauterbergs, des späteren Petersbergs; wörtich: Chronik des sanften / erhabenen / weihevollen Berges). Konrad I. ("der Große") von Wettin schenkte dem Stift auf dem Lauterberg die Kapellen zu Oztroe (Ostrau) und Lobechune (Löbejün) samt deren Ländereien und Bauernhöfen. So befand sich in Ostrau wohl schon länger eine kleine Kapelle, die am Ort der heutigen Kirche durch das auf der Schlossinsel ansässige slavische Adelsgeschlecht de Oztroe errichtet worden war.

Diese Kirche wurde um 1300 abgerissen und durch eine etwas größere rechteckige Saalkirche, die Pfarrkirche St. Georg, ersetzt. Unter ihr wurde im Laufe des 17. Jahrhunderts wohl von Josias I. von Veltheim ein Grabgewölbe eingerichtet, in dem sein Sarg und der seiner Gattin Platz fanden.

1698 veranlasste der Sohn Josias I., Otto Ludwig von Veltheim, den Abriss der Georgskirche und den anschließenden Neubau einer vergleichsweise prächtigen Patronatskirche mit Patronatsloge. Man begann "bey den Stufen zum Beychtstuhle" die alte Kirche abzutragen, worauf zeitgenössische Berichte großen Wert legen.  Das Erbbegräbnis wurde um eine 4 x 7 m große Gewölbe-Kammer unter dem Altarraum erweitert.

Bis 1699 wurde die Kirche im Rohbau fertiggestellt, 1702 erfolgte der Einbau der Schnitzwerke, 1703 wurde die Orgel fertig gestellt, 1704 kam es zur Kirchweihe. Bis 1842 fanden in der Gruft 13 Mitglieder der Famlilie von Veltheim ihre letzte Ruhe. Anschließend gründete man den Famlilienfriedhof im Park.

Ebenfalls Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche durch Werner von Veltheim umfassend renoviert: Das bisherige Tonnengewölbe wurde durch eine sog. "Sarg-Deckel-Decke" ersetzt und Bunt-Glas-Fenster, die Martin Luther und Philipp Melanchthon zeigen, im Altarraum eingefügt. Die Kirche erhielt eine neue Kanzel und eine moderne Ofenanlage. Die bisherige Kanzel über dem Altartisch wurde durch ein Gemälde ersetzt, sowie die Taufe aus der Mitte an die Seite des Altarraumes versetzt. - Werner von Veltheim kannte die intellektuellen Diskussionen seiner Zeit. Insbesondere bewegten ihn religionsphilosophische und liturgische Themen. Ihm war in religiösen Dingen das Gefühl die treibende Kraft. So schätze er feierliche Liturgien und setzte sich zum Ziel, seine Patronatsgemeinde religiös und liturgisch zu erneuern.

Die nächsten Umbauten der Patronatskirche betreffen seit 1933 die Patronatsloge. Diese lies Hans-Hasso von Veltheim - im Bewusstsein, die Loge sei sein Eigentum, weil Eigentum seiner Familie - zur Grabkapelle und damit zu seiner letzten Ruhestätte umgestalten. Er war es auch, der zuvor 1930 im Altarraum rechter Hand der Patronatsloge eine Gedenktafel mit Erlaubnis des Gemeindekirchenrates anbringen lies. Diese Tafel führt diejenigen seiner Ahnen auf, die in den Gruften der Kirche beigesetzt wurden. Zum Anlass wählte Veltheim den 100. Geburtstag seines Großvaters Ludolph von Veltheim. Die kreuzförmige, aus dunkelgrünem Edel-Diabas-Stein bestehende Tafel wird bekrönt von dem Rosenkreuzer-Spruch:

Ex deo nascimur, in Christo morimur, per Spiritus sanctum reviviscimus.

(Aus Gott sind wir geboren, in Christus sterben wir, durch den Heiligen Geist werden wir wiedergeboren.)

Front der Patronatsloge

Ausstattung & Schnitzwerke

In den Jahren 1698 bis 1702 fertigte der westphälische Bildhauer Hermann Meyer im Auftrage des Patronatsherrn Otto Ludwig von Veltheim die filigranen Schnitzarbeiten zur Ausstattung der Ostrauer Patronatskirche. 

So zieren noch heute eine Büste des Patrons und seiner Gattin, Armgard Amalie von Veltheim, geb. von Bartensleben, und das entsprechende reich verzierte Allianzwappen (Ehewappen) der Familien von Veltheim und von Bartensleben die Patronatsloge. Unterhalb der Fensterzeile der Loge befinden sich Gemälde der biblischen Szenen des Sündenfalls (1 Mose, 3), der Ehernen Schlange (4 Mose, 21) und der Geburt Christi (Lukas 2). Vorgesetzt befindet sich über dem Portal zur Sakristei die Figur eines sitzend lehrenden Jesus. In der rechten Hand hält er eine Weltkugel, während er drei Finger der linken Hand zum Segen erhoben hat. Neben Jesus sind die Büsten Petrus’ und Paulus' angebracht.

Der Hochaltar ist bekrönt durch eine Figurengruppe, die die Auferstehung Jesu nach dem Matthäus-Evangelium veranschaulicht: Zwei römische Soldaten, die das Grab Jesu bewachen sollten, erschrecken und sind wie tot, als die Erde zu beben beginnt, das Grab sich öffnet. Dem Betrachter tritt zwischen den Soldaten der Auferstandene Christus mit Siegesflagge segnend entgegen.

Das Gemälde unter den Auferstehungsdarstellung zeigt die Kreuzigungsszene: Maria, Jesu Mutter, und Maria Magdalena, die Jüngerin, unter dem Kreuz Jesu. - Künstler und genaues Entstehungsjahr dieses Gemäldes sind unbekannt. Darunter ist eine Strophe des berühmten Paul-Gerhard-Liedes "O Haupt voll Blut und Wunden" zu lesen:

"Wenn ich einmal soll scheiden, so scheide nicht von mir, wenn ich den Tod soll leiden, so tritt Du dann herfür; wenn mir al allerbängsten wird um das Herze sein, so reiß mich aus den Ängsten, Kraft Deiner Angst und Pein."

Im Besitz der Patronatskirche befinden sich zwei unscheinbare Leuchter, die aus der Kunstsammlung Hans-Hasso von Veltheims stammen und auf dem Altar ihren Platz gefunden haben. Es handelt sich um chinesische Tempelleuchter aus Bronze, 14. Jh.

Auch die Taufe, welche mit den Wappen der Patronatsgeschlechter und einem Bibelvers (Marus 10) verziert ist, sowie der Orgelprospekt entstanden in der Werkstatt Hermann Meyers um 1700.

In der Sakristei der Kirche ist in den 1990er Jahren eine Ausstellung zur Geschichte Ostraus eingerichtet worden. Heute enthält sie auch eine sitzende Buddha-Figur aus dem 14 Jh., eine sog. Guanyin (liebevoller weiblicher Buddha). Diese befand sich ursprünglich auf einem Denkmal, das Hans-Hasso von Veltheim zum Gedenken und zu Ehren Richard Wilhelms (erster deutsche Sinologe), seines "Freundes und Lehrers", im Park hatte errichten lassen. Die Figur wurde 1945 nach Halle verbracht. 2008 schenkte sie der nunmalige Besitzer und Erbe Hans-Hasso von Veltheims, Michael von Busse, unserer Kirchengemeinde. Über dem Denkmal war früher zu lesen:

Wahrlich groß ist der Tod, die Edlen bringt er zur Ruhe, die Gemeinen aber zur Unterwerfung.

Orgelprospekt von 1702

Orgeln

In den Kirchenakten ist als erste Orgel unserer Kirche, und damit als eine der ersten Orgeln unserer Gegend, eine "kleine Orgel ohne Pedal" Mitte des 16. Jahrhunderts erwähnt. Eventuell war dieses Instrument so etwas wie ein Geschenk der neuen Patronatsherren: In jener Zeit erwarb die Famlilie von Veltheim Gut Ostrau.

Zum Neubau 1698 bestellte Otto Ludwig von Veltheim eine neue Orgel bei dem halleschen Orgelbauer Andreas Theysner. Dieser baute bis 1703 eine große zweimanualige Orgel mit Pedal, die 1704 von keinem geringeren als Friedrich Wilhelm Zachow, Kantor an der Marktirche zu Halle und Händels erster Lehrer, und Johann Justus Kahle, dem Organisten an St. Stephani zu Helmstedt, examiniert wurde. Diese Orgel blieb bis heute die größte Orgel unserer Gegend. 

Leider musste besagtes Instrument aber 1814 teilweise entfernt bzw. im romantischen Stil umgebaut werden, nachdem es durch Holzwurmschäden unbrauchbar geworden war. Diesen Eingriff nahm der hallesche Orgelbauer Baumgarten vor.

Doch schon 1930 war die Orgel erneut nicht mehr spielbar. So wurde das gesamte Werk, mit ihm also auch die aus der Theysner-Orgel stammenden Teile, aus der Kirche entfernt und vernichtet. Ein neues Instrument konnte sich die Gemeinde durch die Unterstützung Hans-Hasso von Veltheims 1930 von der Orgelbaufirma Rühlmann (Zörbig) errichten lassen. Diese Orgel ist 2003 durch die Orgelbaufirma Zimmerman (Halle) vollständig gereinigt, repariert und gestimmt worden.

"Taufglocke" von 1515

Glocken

Der Turm unserer Kirche besitzt 3 wertvolle Bronzeglocken. Die kleinste der drei Glocken trägt eine Minuskel-Inschrift und ist verziert mit einer Marien-Darstellung. Sie ist 1482 in Halle gegossen worden. Ursprünglich wurde diese Glocke als "Schul- und Feuerglocke" verwendet.

Die mittlere Glocke ist von Josias I. von Veltheim im Jahre 1675 gestiftet worden. Dieser lies sie in Aken gießen. Sie ertönte in früheren Jahrhunderten als "Abendglocke".

Die heute größte Glocke des Turmes ist die 1515 in Halle gegossene "Taufglocke". Diese wiegt 13 Zentner, trägt ebenfalls eine Minuskel-Inschrift und besitzt als einzige der drei ihre ursprüngliche Aufhängung (Krone).

Im 1. Weltkrieg ist die ehemals größte Glocke "für Gott, Kaiser und Vaterland als erste ihrer Schwestern geopfert" worden. Sie wurde zerschlagen und die einzelnen Teile vom Turm hinab geworfen.

Der 2. Weltkrieg forderte dann weitere Opfer: Die Schul- und die Abendglocke wurden aus dem Turm entfernt und nach Hamburg transportiert. Hans-Hasso von Veltheim, der diesen Vorgang sorgfältig dokumentierte, war es wahrscheinlich, der in der Folge erreichen konnte, dass die Glocken nach Ostrau zurück gebracht worden sind. Seit den 1970er Jahren ertönen nun wieder drei Glocken vom Ostrauer Kirchturm, auch wenn die "Schulglocke" und die "Abendglocke" ihre Kronen einbüßen mussten.



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