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Selbstbildnis in roter Toga, um 1816

Carl Adolf Senff

erblickte am 17. März 1785 im Pfarrhaus von St. Moritz in Halle das Licht der Welt. Er war das jüngste von den 13 Kindern des Superintendenten und Oberpredigers an der Moritzkirche Carl Friedrich Senff. 

Seine Kindheit verlebte er in einem aufgeschlossenen und gebildeten Elternhaus. Zu den Freunden der Familie zählten Wissenschaftler der damals in vollem Glanz stehenden halleschen Universität, wie der Anatom Theodor Meckel und der Theologieprofessor August Hermann Niemeyer.

Neben dem Studium der Theologie befasste er sich auch mit den pädagogischen Bestrebungen seiner Zeit, die von dem Schweizer Pädagogen Pestalozzi ausgingen. Somit brachte er gute Voraussetzungen mit, als er 1809 durch Vermittlung nach Dresden in das Haus „Gottessegen“ als Erzieher und Lehrer von Gerhard und Wilhelm, den Söhnen des bekannten Porträt- und Historienmalers Gerhard von Kügelgen, kam. Außerdem hatte er hier auch die Söhne des Senators Johann Wilhelm Volkmann zu unterrichten. In dem Buch „Jugenderinnerungen eines alten Mannes“, von seinem einstigen Schüler Wilhelm verfasst,  wird Senff mehrmals erwähnt – u.a. in dem Kapitel „Ob Herr Senff ein Heiliger gewesen“. Da er vom Hausherrn im Malen unterrichtet wird und er in dessen Hause das lebhafteste Kunstgetriebe miterleben kann, entschließt er sich selbst Maler zu werden.

1812 gibt er seine Hauslehrerstelle in Dresden auf  und lässt sich in Leipzig als selbstständiger Bildnismaler nieder. Hier bekommt er zahlreiche Aufträge von führenden Kreisen in der Leipziger Gesellschaft. 

Als im Jahre 1815 Leipzig von der Nachricht erreicht wird, dass Napoleon von Elba geflohen ist, tritt er freiwillig bei den Markaner Jägern ein, um gegen Napoleons Armee zu ziehen, allerdings „zu seinem Bedauern, aber zur Freude der Mutter“, an keiner Schlacht teilnehmen muss. Am 7. Juni 1815 kann er den Einzug in Paris miterleben und bleibt danach noch mit seinem Korps als Besatzung in der Picardie. Nach Auflösung seines Regimentes kehrt er 1816 in die Heimat zurück. Auf Grund einer kleinen Erbschaft ist ihm nun eine Reise nach Rom möglich. Im Herbst des gleichen Jahres wandert er  über Dresden, Prag, Wien, Gastein, den Brenner und Florenz nach Rom. Unterwegs hat er da und dort Aufenthalt genommen und gemalt. Schriftliche Aufzeichnungen über seine Wanderung und auch Einzelheiten über seinen 33 Jahre währenden Aufenthalt in Rom hat er nicht hinterlassen. 

Portrait Christian Daniel Rauchs (1777-1857) aus der Kunstsammlung Veltheim-Ostrau

In Rom findet er im Rückbau des Palazzo Tomati, in der Casa Buti, ein Zuhause. Hier lernt er u.a. den dänischen Bildhauer Thorwaldsen kennen, der schon seit 1804 dort wohnt. Viele berühmte Künstler der damaligen Zeit finden sich hier ein. Darunter auch der deutsche  Bildhauer Christian Daniel Rauch, mit dem ihn bis in sein hohes Alter hinein eine herzliche  Freundschaft verbindet.

Zunächst leidet er darunter, dass ihm die anderen Maler in der technischen Fertigkeit  überlegen sind (er hatte ja mit dem Malen erst ziemlich spät begonnen). So kopierte er anfangs, um sich im Zeichnen und Malen zu üben, die Werke der alten Meister, besonders die Bilder Raffaels. Für den preußischen König Friedrich Wilhelm III., der ihn 1822 in Rom besuchte, hat er allein 5 solcher Raffael-Kopien geschaffen. In den freien Stunden zeichnete er Freunde und Bekannte und stellte  sich so ein „Stammbuch“ zusammen. Heute sind gerade letztgenannte Zeichnungen, die sich teilweise in den verschiedensten Sammlungen befinden, besonders gefragt. Einen höheren Bekanntheitsgrad erreicht er erst, als er ein Bild von einem Freund und Landsmann malt, dem Rittergutsbesitzer Franz Adolf Rudolphi aus Ammendorf. In diesem Gemälde bilden die Ruinen des Kolosseums und die Campagnelandschaft den Hintergrund. Rudolphi erteilt ihm ferner den Auftrag, die Madonna als Himmelskönigin nach dem Vorbilde der Sixtinischen Madonna Raffaels darzustellen. Dieses Bild schenkte der Zörbiger Chronist Reinhold Schmidt, ein Sohn David Ehrenbergs Schmidt, der 1852 Carl Adolf Senff  mit seiner Auguste in der Kirche in Cösseln vermählt hatte, dem Museum in Halle (?).

Im Winter hält er sich in Rom auf, während er im Sommer das Land durchstreift (Albaner- und Sabiner-Gebirge, Abruzzen, Neapel), um Motive zu skizzieren, die er dann als Hintergrund für seine Porträts verwendet. Eine seiner Raffaelkopien ist so glänzend gelungen, dass man ihn zum Mitglied der Akademie der Künste zu Perugia wählt. Man will ihn sogar wegen seiner hervorragenden Leistung zum Leiter der Akademie machen. Senff aber lehnt auf Anraten Thorwaldsens die Ehrung ab.

Seine höchste Bedeutung erreicht er durch seine unübertreffliche Kunst, Früchte, und vor allem Blumen, zu malen. Wie er dazu kommt, schreibt er in einem seiner Briefe: „Der Generalkonsul Bartholdy gewann einen wahren Fanatismus für meine Blumen und verschaffte mir sogleich Bestellung auf 5 kleine Blumenbilder ... . So bin ich, ohne es zu wollen, und ohne es fast selbst zu wissen, dazu gekommen, mich ernsthaft mit diesem Genre zu beschäftigen. Seine Blumen sind so schön frisch und blank, als wenn sie beim Anrühren klingen würden.“ Er hat nie vergessen, dass seine Bilder den Blumen vor allem ihr frisches Leben erhalten sollten. Man gab ihm nun den ehrenden Beinamen „Raffaele di fiori“ – Blumenraffael. Unter den Käufern seiner Blumenstudien befinden sich Friedrich Wilhelm III., Großfürst Alexander von Russland, Frau von Humbold, Thorwaldsen  u. v. a.

Nachdem er 1835 und 1845 nur zu einem kurzen Besuch in Deutschland gewesen war, verlässt er 1848 Rom. Er reist von Rom über Civiavechia, Genua und durch die Schweiz nach Berlin. Dort sucht er seine Freunde und Gönner auf und reist  schon bald, am 16. August 1848, wieder ab und begibt sich nach Ostrau, wo einer seiner Brüder Pastor ist.
Von nun ab bilden nicht mehr Peterskirche, Engelsburg und Campagna den Hintergrund seiner Bilder, sondern der Petersberg oder andere Motive aus der neu gewonnenen Heimat.

Sein stilles, ruhiges und bescheidenes Wesen kann auch in dem dörflichen Ambiente von Ostrau Befriedigung finden. Weder seine Arbeitsfreudigkeit noch seine Gestaltungskraft sind erschöpft. Sein älterer Bruder, der Ostrauer Pastor Carl Wilhelm Senff (1832 – 1846 Pastor in Ostrau), starb jedoch schon 3 Jahre nach seiner Ankunft am 19.08.1851.

Senff heiratete nach dem Tode seines Bruders als 67 jähriger dessen Pflegetochter.

Trauregister Ostrau 1852:

„Herr Carl Adolf Senff, Historienmaler und wirkliches Mitglied der Akademie der Künste in Perugia, in Ostrau, ev. Konfession, weiland Carl Friedrich Senffs, gewesenen Konsistorialrats D. theol. und Pastor an der Moritzkirche in Halle und dessen Ehefrau Rosine Dorothea geb. Litzmann, ehelicher Sohn, 67 Jahre alt, unverehelicht, und Auguste Charlotte Franziska Held, ev. Konfession, weiland Johann August Helds, gewesener Pastor an der St. Laurentius-Kirche in Halle und dessen ebenfalls verstorbenen Ehefrau Sophie Charlotte geb. Kranz, eheliche Tochter, 41 Jahre alt, unverehelicht, den 27. Mai durch Pastor Schmidt, Cösseln kopoliert.“

Viele hervorragende Bilder entstehen nun in Ostrau. Viele davon befinden sich heute im Besitz der Stiftung Moritzburg Halle, Kunstmuseum des Landes Sachsen-Anhalt.

Das Haus, das er sich in Ostrau erworben hatte, befindet sich heute, allerdings stark verändert,  auf dem Carl-Adolf-Senff-Platz 15. Den Windfang-Vorbau gab es zu Senffs Zeiten wohl noch nicht, ebenso die Dacherkerfenster. In dem kleinen Anbau rechts vom Wohnhaus befand sich das Atelier des Künstlers. Die Witwe des Malers bewohnte nach dessen Tod das Haus in der Karl-Marx-Str. 34.

Goßes Kürbisstilleben; im Hintergrund der Petersberg

Senff schreibt dazu in einem Brief von 1860 an Professor Julius Schnorr, damals Direktor der Bildergalerie in Dresden, u. a.:

„Da wohne ich in wahrhaft glückseliger Ruhe und Einsamkeit schon seit 1852, in welchem Jahre ich mich mit der Pflegetochter, meiner hier verstorbenen Geschwister, verheiratete, wie Ihnen wohl H. Paul Händler – für dessen gütige Aufnahme ich Ihnen auch sehr dankbar bin – schon früher erzählt haben wird! Und da meine Auguste mit mir dieselbe Freude an unserem Asyle theilt, auch mit den Mitteln, welche mein kleines Vermögen uns zur Lebensdisposizion erlaubt, zufrieden ist, auch mit lebendigen Geiste an jeder geistigen Beschäftigung freudigen Theil nimmt, ebenso wie unser kleines Haus-Wesen mit steter Zufriedenheit dirigiert, so ist unser beiderseitig Zusammenleben durch nichts deutlicher beschrieben, als wenn ich sage, dass seit Frühjahr 1852 – wo wir uns verheirateten – jeder unser Lebenstage ein stiller Feiertag war! Und ich danke Gott täglich und stündlich, dass er mir einen solchen Lebensabend bis hierher gewährt hat! Und beneide (Gott sei Dank) keinen meiner frühern Kunstgefährten, von denen so manche in hundertfältig brillanterer Lage sich befinden, als ich! Schließlich, mein verehrter Freund! Ersuche ich Sie, im Falle Sie – wie ich wohl glaube – mit Ihrem römischen Freunde, dem Geh. Rath, Freih. v. Bunsen in Correspondenz stehen, Sie wollten auch mich in seinem Andenken erneuern und ihm sagen wie sehr ich noch immer mit Dankbarkeit der vielen von ihm in Rom erfahrenen Beweisen von Güte und Freundlichkeit auch erinnerte! Und zugleich erwähnen, mit welchem Interesse ich den 1. Theil seines Werkes: „Gott in der Weltgeschichte“ – welches mit mein Herzens Weib zum Weihnacht bescheerte – gelesen; und wie ich mit noch größerer Ungeduld und Sehnsucht bis jetzt, umsonst leider, die Erscheinung des 2. und 3. Theiles erwartet habe, welche doch so sicher angekündigt war!

Sollte ich so glücklich sein, einige Zeilen Antwort einmal von Ihnen zu erhalten, so füge ich für diesen Fall meine hier bekannte Adressen bei, und mit der

aufrichtigen Hochachtung Ihr

ergebenster Senff

Prof. Adolf Senff, Ostrau.

Poststation Stumsdorf. Magd. Leipz. Eisenbahn“

 

Verschiedene Skizzen und Bilder von Carl Adolf Senff befanden sich hier und da in den Häusern von Ostrau. So besaß z.B. der Gutsbesitzer Gramm ein Porträt seiner Großmutter, das Senff 1859 aus Dankbarkeit für die Überlassung eines Gartens gemalt hat.

Thorwaldsens "Segnender Christus" in der Frauenkirche zu Kopenhagen
Thorwaldsens "Segnender Christus" in der Frauenkirche zu Kopenhagen

In Ostrau empfängt Senff auch einige Male den Besuch seines Freundes Christian Daniel Rauch, mit dem er sowieso in regem Briefwechsel stand. Thorwaldsen schenkt ihm in der Ostrauer Zeit den ersten Abguss seines „Segnenden Christus“. Letzterer befand sich bis zur Flucht des Ostrauer Maurermeisters Bergmann aus der DDR in dessen Besitz. Er soll neben anderen Kunstwerken und aus der Wohnung entferntem Hausrat  auf die Straße geworfen und auf den Müll gebracht worden sein.

Am 21. März 1863 ist Senff nach fast 11 jähriger glücklicher Ehe gestorben.

Sterberegister Ostrau 1863:

„Carl Adolf Senff, Historienmaler und wirkliches Mitglied der Academie der Künste zu Perugia, ev. Conf.. Alter: 78 Jahre. Hinterläßt: Gattin Auguste Charlotte Franziska geb. Held. Gest. am 21. März 1863 – abends 18.45 Uhr. Begräbnis am 24. März 1863 in Ostrau in der Stille.“

Still und anspruchslos wie sein ganzes Leben war auch sein letzter Erdengang, und schlicht und einfach ist auch seine Grabstätte, wo er nun an der Seite seiner Gattin unter einer Linde, im Volksmund „Professorenlinde“, begraben liegt.

Auf den beiden gusseisernen Tafeln ist folgendes zu lesen:

 

„Carl Adolf Senff.

Geb. Zu Halle d. 17. März 1785.

Lebte zu Rom von 1816 – 1848.

Und beschloß sein vielbewegtes

Leben zu Ostrau am 21. März 1863.

Tief betrauert von den Seinen.

- - -

In seinen Werken, wie in unserer Liebe

lebt er fort.“

 

„Auguste verw. Senff, geb. Held,

geb. zu Halle d. 5. August 1811,

gest. zu Ostrau d. 11. Januar 1898.

- - -

Klaren Geistes, reichen Herzens, ein Segen

für Viele, unvergesslich Allen.

- - -

Der Herr segne dich, und gebe dir

seinen Frieden. Amen!“

 

(Zusammengestellt von Pfr. i.R. Dieter Pretzsch, 1985)



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